Dichterfürsten„Weimar 18.10.2019- 20.10.2019“ prangte schon seit der 11. Klasse in unserem Terminkalender. Klar, die Fahrt wurde zwar jährlich von jedem Leistungskurs Deutsch abgelegt, doch diesmal war es anders – es war nämlich unsere Studienfahrt – unsere erste gemeinsame Exkursion! Spendiert wurde alles durch die Eltern und durch einen Zuschuss des Fördervereins – Vielen Dank an dieser Stelle!

Schon einen Monat bevor die Studienfahrt nach Weimar überhaupt stattfand, behandelten wir das Thema „Weimar“ sowie die „Weimarer Klassik“ im Unterricht. Wir lernten den Unterschied zwischen Weimaranern, der Hunderasse, und den Weimaren, den Bewohnern von Weimar, behandelten die bekannte „Anna-Amalia-Bibliothek“ und natürlich durfte als Einleitung für dieses Thema Goethes „Faust“ nicht fehlen. Herr Stern, unser Stammkursleiter, zählte schon Wochen vor der Studienfahrt die Tage bis es endlich soweit war und berichtete uns am Anfang jeder Stunde stolz, in wie vielen Tagen wir fahren würden.

Gruppenbild im TheaterFreitagmorgens um 8:00 Uhr war der Zeitpunkt gekommen: Der gesamte Kurs traf sich am Schifferstadter Südbahnhof. Bepackt mit großen und kleinen Koffern, Rucksäcken und dicken Jacken standen wir beisammen und wirkten wie ein aufgeregter Hühnerstall. Trotz der Morgenkälte plapperten alle durcheinander und schienen wohlauf zu sein. Die S-Bahn brachte uns an den Mannheimer Hauptbahnhof, sodass sich einige dort noch mit Getränken und Brötchen versorgen konnten. Hier stieß auch Frau Weber zu uns, die quasi schon eine eigene Weimarführerin war und manche geheimen Tipps und Tricks, wie zum Beispiel den Bus nach Buchenwald, kannte. Typisch für ICEs hatten wir leider eine Verspätung von ca. 20 Minuten, die jedoch an unserem Umstiegs-Bahnhof Erfurt nicht weiter von Belang war, da dort stündlich eine Bahn Richtung Weimar eintraf. Außerdem konnten wir so den Erfurter Bahnhof erkunden, Essen kaufen oder im „NanuNana“ ein bisschen herumstöbern.
BibliothekEndlich in Weimar angekommen empfing uns ein ländlicher Duft, der den Charme der Stadt widerspiegelte. Ein verschlafenes Städtchen, kaum größer als Speyer, wartete darauf von uns entdeckt zu werden. Schnell durften wir unsere Koffer noch in den recht modernen jugendherbergs-ähnlichen Räumen verstauen und einen ersten Blick auf die Zimmer werfen, bis schon pünktlich um 15 Uhr unsere Stadtführerin vor der Tür stand. Eine zierliche Frau mit blonden kurzen Harren und schnellem Schritt führte uns in die „Innenstadt“ von Weimar, den Marktplatz. Zufällig fand dort auch gerade ein Markt statt, der mit kleinen Ständen geschmückt war. Noch besser dazu passten die verschiedensten Pferdekutschen, die eine Rundfahrt durch Weimar anboten. Es gab altmodische oder eher modernere Kutschen, einspännig oder zweispännig gefahren, die bespannt mit schönen Apfelschimmeln bis hin zu eleganten Rappen waren. Wir waren jetzt schon begeistert was die Stadt für eine Ausstrahlung hatte. Direkt anbei war das berühmte Hotel „Elefant“, in dem in der Zeit des Nationalsozialismus auch Hitler eingekehrt war. Die Stadtführerin erzählte uns, dass die Menschen damals gerufen hätten: „Lieber Führer, komm heraus, aus dem Elefantenhaus“, und Hitler dann auf dem Balkon gen Marktplatz gerichtet stand und gewunken hätte. Weiter ging es zur „Anna-Amalia-Bibliothek“ und der Musikhochschule Weimars am Platz der Demokratie, aus deren Fenster man tagtäglich klassische Musik hören kann, die von Studenten gespielt wird. Darauf folgte eine Einführung in Baumkunde, nämlich wurde uns das Gedicht Goethes über den Gingo-Baum erläutert. Während wir weiter durch den Park spazierten zog sich der Himmel über uns zu und die schon in herbstliche Farben getunkte Stadt Weimar wirkte auf einmal triste und grau. Schließlich standen wir vor der Bauhaus Universität, als der Himmel über uns zusammenbrach und alle unvorbereiteten Schüler ohne Schirme durchnässte. Die Führerin begleitete uns noch bis auf einen der Friedhöfe Weimars und versuchte uns trotz des Regens die Geschichte der Stadt noch etwas näher zu bringen. Als wir endlich Unterschlupf für uns alle unterhalb eines Foyers eines Hotels gefunden hatten, hörte der Regen auf und wir beschlossen die Stadtführung zu Ende zu führen. Im Schnelldurchlauf kamen wir am Goethe-Haus, später auch am Schiller-Haus vorbei und endeten am nahegelegenen Nationaltheater mit der berühmten Statue von Goethe und Schiller.
WeimarNach einer kurzen Freizeit, die so gut wie alle mit Umziehen und Ankommen verbrachten, trafen wir uns zum Abendessen – es gab Hähnchenschlägel mit Pommes-, um danach das Nationaltheater mit dem Stück „Drei Tage auf dem Land“ zu besuchen. Schick angezogen machten wir dort ein Gruppenfoto und hatten nach dem Theaterstück Freizeit, die einige benutzten, um Weimar bei Nacht zu erkunden. Nebenbei lässt sich ein kleines Spiel der Gruppe erwähnen, bei dem Frau Weber gegen Herrn Stern wettete, dass die Mädchengruppe um einiges pünktlicher als die Jungsgruppe wäre. Man versuchte sich überpünktlich zu treffen, um die anderen schon vorwurfsvoll zu erwarten. Das Ganze ging jedoch soweit, dass die Jungs sich gefühlte 30 Minuten vor dem eigentlichen Treffpunkt versammelten, und egal ob man nun pünktlich zur eigentlich verabredeten Zeit ankam oder nicht, man war trotzdem meist einer der Letzten, die eintrudelten.
Eindrücke aus den HäusernDer Tag darauf, der 19.10.2019, begann mit einer Führung durch das Goethe-Museum morgens um 9 Uhr, sodass wir anschließend das Leben Goethes per Audioguide in seinem Wohnhaus erleben konnten. Im fliegenden Wechsel wanderten wir weiter zum Schiller-Haus, welches knappe fünf Minuten entfernt lag. Dort erwartete uns dieselbe Führerin, die mit uns nun Schillers Haus durchlief und uns spannende Informationen über Friedrich Schiller verriet. Danach waren wir freigestellt zu tun und zu lassen was wir wollten, sodass einige in der Stadt stöberten, andere ein Kaffee tranken und wieder andere mit den Lehrern Essen gingen. Gegen 15 Uhr fand wir uns wieder vor der „Anna-Amalia- Bibliothek“ ein, die auch wegen ihres Brandes 2004 bekannt ist. Bei diesem Brand, wie wir lernten, sind etliche historisch wichtige Werke durch Wasser-/Rauch- und Feuerschäden für immer verloren gegangen. Am imposantesten war hierbei der große Rokoko-Saal, den man nur mit – vom Museum gestellten - Hausschuhen betreten durfte. Darin war noch ein kleiner Teil der Bücher ausgestellt, andere findet man unter dem Platz der Demokratie, direkt vor der Tür. 
ImpressionenEine Gruppe von Freiwilligen besuchte mit Herrn Stern und Frau Weber noch die Gräber von Christiane Goethe und von Lukas Cranach dem Älteren. Der Rest durfte sich frei beschäftigen und zum Abendessen wiedertreffen. Diesmal stand auf dem Speiseplan Chilli con Carne, welches tüchtig gegessen wurde. Für diesen Abschlussabend hatte die Kurssprecherin Melina E. einen Raum im Havanna Club reserviert, zu dem wir uns gegen 21 Uhr aufmachten. Nachdem man sich dort austauschen konnte, Karten spielte und vielleicht ein Cocktail probierte, war das ein schöner Abschluss für diesen erlebnisreichen Tag.
Buchenwald Am Morgen des letzten Tages, Sonntag der 20.10.2019, stand noch ein letzter großer Programmpunkt auf unserer Liste – die Gedenkstätte KZ Buchenwald. Vorher mussten wir die Zimmer (auf-)räumen und mit bepackten Koffern bereit für die spätere Heimreise sein. Mit dem Bus gelangten wir an den Bahnhof an dem wir unser Gepäck einschließen und dort auf den nächsten Bus Richtung Buchenwald warten konnten. Holprig führte uns eine schmale Straße - mal geteert, mal gepflastert - den Ettersberg hinauf, auf dem das Konzentrationslager errichtet wurde. Man passierte einen Obelisken, der ebenfalls als Denkmal diente und kam auf einem großen Vorplatz an. Dort wurde man von einzelnen renovierten Baracken in Empfang genommen, die zurzeit als Jugendbegegnungsstätte dienen. Auch hier erwartete uns eine Führerin, noch zierlicher, kleiner und jünger als die Erste, aber vor allem noch flinkere Füße hatte sie. Schnell lief sie vor uns allen her, erklärte den Sachverhalt mit Bedacht und ging behutsam mit der Vergangenheit dieses Ortes um. Ein Zoo zur Belustigung der SS-Männer, so wie eine „Kachacho-Straße“ waren noch die harmloseren Geschichten, die sie uns näherbrachte. Gut war, dass sie sehr kritisch und reflektiert mit dem Thema umgehen konnte und auch einige Bedenken an der Konzeption dieser Gedenkstätte äußerte. Letztlich leitete sie uns zu einer Besonderheit der Gedenkstätte Buchenwald: Ein gewärmter Stein am Boden, der immer auf genau 37,5 Grad Celsius erwärmt wird. In ihn wurden alle Herkunftsländer der Gefangenen eingraviert und er soll symbolisieren, dass hinter all diesen Daten und Fakten echte Menschen stecken, die leiden mussten.
Mit gedrückter und mulmiger Stimmung wurden wir entlassen, um all das auf uns wirken zulassen – dafür hatten wir auf der fünfstündigen Rückfahrt genug Zeit. Doch erstmal mussten wir unseren ICE Richtung Heimat erwischen. Da die S-Bahn von Weimar aus jedoch Verspätung hatte, wurde Helena F. auserkoren, als schnellste Läuferin des Kurses, direkt bei Ankunft am Erfurter Bahnhof loszusprinten, um unseren Zug aufzuhalten. Mit Mühe erreichte der gesamte Kurs noch rechtzeitig den Zug und so saßen wir auch schon im ICE, der in die Heimat fuhr.
Die lange Fahrt ließ genug Zeit die gesamte Studienfahrt zu überdenken und sich eine eigene Meinung über Weimar zu bilden: Meiner Meinung nach ist Weimar eine wunderschöne, verschlafene Stadt die mit ihrem eigenen Charme, ihrer bisherigen Geschichte und ihrer fußläufigen Nähe überzeugt. Der Eindruck wurde durch das schöne Herbstlaub in den Alleen von Weimar bestärkt! Ein weiterer Besuch ist definitiv in Planung und überhaupt hat die Exkursion mit dem Kurs total viel Spaß gemacht und einige neue Freundschaften wurden geschmiedet.

Pauline Stork, LK Deutsch, MSS 12

 


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