Der folgende Text stammt von Christian Sponagel. Er entstand im Rahmen des FAZ-Schulprojekts "Jugend schreibt" bei Hr. Tränkle und wurde in der FAZ publiziert.

„Ich dachte, ich gehe ein- bis zweimal nach Deutschland, um mir etwas Geld für einen Anfang in Polen nach der Schule zu verdienen", erinnert sich der heute 41-jährige Piotr Cyrok an den Juni 1991, als er sich als junger Mann auf den Weg nach Deutschland machte. Sein Vater hat schon vorher auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Limburgerhof in der Vorderpfalz gearbeitet und konnte ihm somit eine Stelle bei einem in der Nähe liegenden Betrieb vermitteln. „Damals war das gar nicht so einfach, denn man brauchte mindestens ein halbes Jahr vor dem Beginn der Arbeit eine Einladung des Betriebes, um ein Visum anzufordern", erinnert sich der ca. 1,80 m große, blonde polnische Mann. Zudem gab es nur für maximal zwei Monate im Jahr ein solches Visum und ausschließlich für Beschäftigungen in der Land- und Forstwirtschaft.

Cyrok begann seine Schullaufbahn noch während des Kommunismus in Kwicieszewo, ca. 90 km östlich von Posen, wo er noch heute mit seiner Familie lebt, und hätte eigentlich nach dem Abschluss des Technikums, einem Gymnasium mit Berufsorientierung, sehr gute Berufschancen. Doch nach der Wende 1989 verschlechterte sich die Situation in Polen. „Wir hatten wenig Geld und deshalb plante ich, dieses in Deutschland zu verdienen, um mir eine Existenz aufzubauen", sagt Piotr Cyrok. „Am Anfang wusste ich nicht, zu wem ich komme und lies mich überraschen. Die ersten Wochen waren hart, da wir teilweise zwölf Stunden gearbeitet haben und ich viel Arbeit eigentlich nicht gewöhnt war. Außerdem konnte ich mich auch kaum verständigen." Dabei kam es auch öfters mal zu Missverständnissen wie der Mann berichtet. „ Damals arbeitete ich mit einem türkischen Mann zusammen, wobei ich eigentlich zu Beginn hoffte, dass ich von ihm ein bisschen die deutsche Sprache lernen könnte. Umgekehrt verließ sich dieser aber auch auf meine Deutschkenntnisse und so sind wir auf dem Weg zum Feld schon mal umgekehrt, da wir eigentlich gar nicht wussten was wir dort genau zu tun hatten." Aber das gute Umfeld und Arbeitsklima entschädigte dafür und Piotr Cyrok lernte auch schnell die deutsche Sprache. „Die Leute waren wirklich sehr nett zu mir, und ich wollte im Gegenzug meine Arbeit immer gut und sorgfältig machen, als wenn es für meinen eigenen Betrieb wäre."
Es gab noch die Deutsche Mark, und der Stundenlohn war seinerzeit mit 7,50 DM für ihn sehr hoch. Cyrok erzählt, dass er damals als Landarbeiter fast mehr Geld verdiente als ein Bankdirektor in Polen. Nach dem guten ersten Jahr in Deutschland entschied er sich auch im nächsten Jahr wieder für eine Anstellung in Limburgerhof. Parallel versuchte er aber auch in Polen etwas Geld zu verdienen und hatte unter anderem für einige Zeit eine kleine Nudelfabrik zusammen mit seinem Cousin.In Deutschland war er zu dieser Zeit der einzige polnische Mitarbeiter des Betriebes, aber bereits im dritten Jahr war er nicht mehr allein. In diesem Jahr verheiratete er sich und wurde Vater. Nun benötigte er natürlich viel Geld und kam nun auch mehrmals im Jahr nach Deutschland. Zuerst sparte er für ein Haus, welches er sich auch ohne weiteres leisten konnte. „Für das Haus mit 1,5 Hektar Grundstück musste ich acht Monate in Deutschland arbeiten, allerdings musste ich auch viel Zeit für die Renovierung investieren." Im Jahr 1999 konnte sich Piotr Cyrok seinen ersten Urlaub in Polen mit nun zwei Kindern leisten, kaufte sich ein neues Auto und eröffnete ein kleines Lebensmittelgeschäft in seinem Heimatort. Dieses führt seine Frau, während er in Deutschland arbeitet. Die Situation war für ihn damals sehr gut und er gibt zu, dass er damals „viel mehr Geld als andere" zur Verfügung hatte. Somit suchte er sich keine Arbeit in Polen, sondern beschloss auch weiterhin sein Geld in Limburgerhof zu verdienen.
In den folgenden Jahren begann er für sechs Monate, dreimal pro Jahr nach Deutschland zu kommen. Im Laufe der Zeit hat sich die Situation etwas verändert. Durch die Einführung des Euro und des EU-Beitritts hat sich der Wert seines Lohns in Polen verringert, Piotr Cyrok hat aber dennoch ein höheres monatliches Einkommen als die meisten Arbeitnehmer in Polen. Mittlerweile hat sich auch sein Tätigkeitsfeld auf dem Betrieb verändert. Vor allem den Sommer mag er sehr gerne, da er in dieser Zeit mehr organisatorische Arbeiten bekommt und auch viel Kontakt zu anderen Firmen und Betrieben hat. Alles in allem ist er mit seiner Arbeit und seinem Familienleben zufrieden, obwohl er diese etwa das halbe Jahr gar nicht sieht. „Am Anfang war die Trennung von der Familie schwierig, aber ich hatte regelmäßig telefonisch Kontakt", gibt der Mann zu. Heute hat sich das für ihn natürlich deutlich verbessert und heute hat er manchmal mehrmals am Tag Kontakt zu seiner Familie mittels der am Anfang seiner Tätigkeit in Limburgerhof noch nicht sehr verbreiteten Mobiltelefone oder dem Internet. „Natürlich könnte es immer besser sein, aber solange es so bleibt wie jetzt, bin ich sehr zufrieden", resümiert der polnisch stämmige Mann.
Heute steht Piotr Cyrok in seiner 23. Saison auf dem für ihn mittlerweile fast zur zweiten Heimat gewordenen Betrieb in Limburgerhof und hofft, dass er noch viele weitere Jahre diese Tätigkeit ausüben kann.


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