Der folgende Text wurde von Marc Bormeth geschrieben. Er wurde im Rahmen des FAZ-Schulprojekts "Jugend schreibt" bei Hr. Tränkle angefertigt und in der FAZ publiziert.

Leise hört man die Hähnchen knistern, während sie auf dem 200 Grad heißen, offenen Grill schmoren, der seine Wärme in den Wagen abgibt. Dazu kommt noch die Fritteuse, in der die Pommes zubereitet werden. Im Sommer wahrlich keine Freude für die Hähnchenverkäuferin Monika Eberspach, die den Imbisswagen „Moni's Grillhähnchen" jetzt schon seit 1989 führt. Mit ihren 64 Jahren Lebenserfahrung steht sie kurz vor der Rente. Angefangen hat die kleine blonde Frau aus dem Rheinpfalz-Kreis jedoch mit einer Lehre zur Einzelhandelskauffrau. „Nach der Lehre fing ich in einer Metzgerei an. Nach ein paar Jahren wollte ich dann aber etwas anderes ausprobieren." Und so übernahm sie zusammen mit ihrem Mann ein Pfälzer Lokal. Moni, wie sie von vielen genannt wird, übernahm die Küche und konnte sich mit ihren Kochkünsten einen guten Ruf sowie viele Stammkunden erwerben, die heute noch gelegentlich an den Hähnchenwagen kommen.


„Das Problem an Stammkunden ist, dass sie immer so lange sitzen bleiben", sagt sie lächelnd. Die späten Arbeitszeiten und ein paar andere Gründe brachten sie dann in ihrem 40. Lebensjahr dazu, das Lokal aufzugeben. Bei einer Stellenanzeige fand sie eine Annonce, in der Imbisswagen zum Verkauf angeboten wurden. „Als wir dort dann hinfuhren, gab es nur noch Hähnchenwagen. Am ersten Tag hätte ich diese Entscheidung schon fast bereut, als der Strom ausfiel und wir improvisieren mussten. So gab es dann halt frittierte Hähnchen", erinnert sie sich mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Glücklicherweise nahmen die Kunden den Vorfall mit Humor, denn der Stellplatz in Lingenfeld wird auch heute noch einmal wöchentlich angefahren. Daneben steht der Wagen auch noch in drei weiteren Orten. Summa Summarum sind das dann 40 Arbeitsstunden in der Woche. Ein Vollzeitjob für die Mutter einer Tochter und Großmutter von zwei Enkelkindern.
Der Tag beginnt um morgens um halb 8, nachdem ihr Mann mit den Hähnchen und Pommes vom Händler zurück ist. Dann werden die Salate portionsweise abgepackt, und der Wagen wird beladen. Um 9 Uhr hört man dann in der ganzen Straße den Dieselmotor aufheulen, wenn sich der 3,5 Tonnen schwere Wagen in Bewegung setzt. Am Stellplatz angekommen müssen Grill und Fritteuse angemacht und die Hähnchen auf die Stangen gesteckt werden. Von kurz vor 11 bis 18 Uhr werden dann die Kunden mit Pommes, Hähnchen, Chicken Nuggets, diversen Salaten, Getränken und mit nettem Small-Talk versorgt.
In den 40 Stunden sind natürlich nicht alle Arbeiten mit eingeschlossen. Dazu kommen noch Arbeiten wie tanken, Hähnchen, Pommes und Salat abholen. Und gereinigt muss der Wagen auch noch werden. „Zum Glück unterstützen mich meine Tochter, mein Mann und gelegentlich auch mein Enkel", antwortet Moni auf die Frage, wer in den Betrieb mit eingespannt ist. „Gerade im Winter ist es wichtig, dass das Fett schnell entsorgt wird, sonst wird es kalt und hart, und das erschwert das Reinigen."
Während man im Sommer durch Grill und Sonne gnadenlos der Hitze ausgeliefert ist, entsteht im Winter ein anderes Kleidungsproblem. Im Rücken hat man den Grill, und von vorne kommt der kalte Wind. „Leider kann ich mich nicht wie ein Dönerspieß drehen, um beidseitig warm zu bleiben", witzelt sie. Daraufhin fügt sie hinzu: „Trotz der Hitze im Sommer, arbeite ich lieber in der warmen Jahreszeit. Leider ließ der Sommer jetzt schon lange auf sich warten. Die Leute sind viel freundlicher und man kann sich in der Mittagspause ein Eis gönnen. Im Winter bekommt man nur kalte Füße." Nächsten Winter wird sie sich darum keine Gedanken mehr machen müssen. Nach 25 Jahren Hähnchenwagen wird sie in die wohlverdiente Rente gehen und den Wagen ihrer Tochter übergeben. Vielleicht entsteht hier eine Familientradition, denn auch die Enkelin spielt schon mit dem Gedanken, irgendwann in das Geschäft mit einzusteigen. Auf die Frage, ob sie in ihrem nächsten Leben wieder einen Wagen führen würde antwortet sie: „Auf jeden Fall. Man kann trotz der harten Arbeit relativ gut davon leben, und man erfährt immer den neusten Dorfklatsch. Da ist man immer auf dem neusten Stand."


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